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FC St. Pauli: "Kiezkicker" stiegen als Bundesliga-Absteiger 2003 weiter ab

Nach dem Abstieg aus der Bundesliga steckt der FC St. Pauli weiter in der Krise. Die Situation weckt dunkle Erinnerungen. Als am Samstagnachmittag am Millerntor der Schlusspfiff ertönte, war den Spielern des FC St. Pauli ihre Enttäuschung deutlich anzusehen. Abdoulie Ceesay sank auf dem Rasen des Stadions ausgelaugt und niedergeschlagen zu Boden. Die Verzweiflung stand dem Stürmer in diesen Sekunden ins Gesicht geschrieben – weshalb Co-Trainer Peter Németh direkt mentale Aufbauarbeit leistete und Ceesay in den Arm nahm. Beim 22-jährigen Gambier herrscht – wie auch beim Rest seiner Mannschaft – tiefer Frust. Denn nach der 1:2-Heimniederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern ist St. Paulis Fehlstart in die neue Spielzeit perfekt. Gerade einmal zwei Punkte stehen nach drei Partien in der 2. Bundesliga zu Buche. Das vorläufige Ergebnis: Relegationsrang 16 und die rund um den Kiezklub wachsende Sorge, dass nach dem Abstieg aus dem deutschen Oberhaus auch eine Etage tiefer erst einmal nun der Überlebenskampf auf dem Plan steht. Der Grund für diese Befürchtung: Seit mittlerweile 14 Pflichtspielen ist St. Pauli sieglos, schied vor rund zwei Wochen sogar im DFB-Pokal bei Drittligist Rot-Weiss Essen aus (0:2). Letztmals konnten die Hamburger im Februar 2026 gewinnen. Seitdem befinden sie sich jedoch im freien Fall. Nach dem Bundesliga-Abstieg im Mai sollte mit frischem Personal nun der sportliche Neuanfang gelingen. Doch die Krise im Klub hält weiter an – und lässt dunkle Erinnerungen an eine ähnliche Situation in den frühen 2000er-Jahren wach werden. Der Super-GAU konnte einst nicht verhindert werden In der Saison 2002/2003 trat der FC St. Pauli nämlich ebenfalls als Absteiger in der 2. Bundesliga an. Trainer Dietmar Demuth, der den Klub 2001 zum Aufstieg geführt und das Team in der Folgesaison gegen Mannschaften wie den FC Bayern oder Borussia Dortmund betreut hatte, zeigte sich auch in der neuerlichen Zweitklassigkeit wieder für die Mannschaft verantwortlich. Doch bereits nach zwei Spieltagen wurde der frühere Innenverteidiger bei St. Pauli von seinen Aufgaben entbunden. Präsident Reenald Koch begründete die Entscheidung damals wie folgt: "Die Art und Weise, wie die Mannschaft sich an den ersten beiden Spieltagen präsentiert hat, war alarmierend." St. Pauli hatte zum Auftakt mit 0:4 bei Eintracht Frankfurt verloren. Eine Woche später setzte es ein 1:4 gegen LR Ahlen. Kurz darauf übernahm Demuth-Assistent Joachim Philipkowski an der Seitenlinie – und startete direkt mit einer 0:6-Pleite in Lübeck in seine Amtszeit. Zwar folgte daraufhin ein furioses 7:1 über Eintracht Braunschweig . Nach zwei Niederlagen gegen Union Berlin und Mainz 05 und einem 5:2-Erfolg über Waldhof Mannheim geriet St. Pauli jedoch endgültig in den Abwärtsstrudel. Bis zum Februar 2003 konnte die Mannschaft kein einziges Pflichtspiel mehr für sich entscheiden. Ein 2:0-Erfolg über Lübeck beendete letztlich den Negativlauf von 13 sieglosen Partien. Philipkowski war im Klub zu diesem Zeitpunkt aber bereits wieder Geschichte. Er hatte schon im Dezember seinen Hut nehmen müssen, war durch Franz Gerber ersetzt worden. Den Super-GAU konnte aber auch der Münchner nicht mehr verhindern. St. Pauli musste am Saisonende den bitteren Gang in die Regionalliga Nord antreten. Ein Jahr nach dem Abstieg aus der Bundesliga war der Klub bis in die Drittklassigkeit durchgereicht worden. Trainer Rapp übt sich in Gelassenheit Einen ähnlichen Verlauf wollen die Protagonisten beim FC St. Pauli in der aktuellen Situation tunlichst vermeiden. Die Angst vor dem Horror-Szenario 3. Liga hält sich in der Frühphase der Saison jedoch trotz des misslungenen Starts noch in Grenzen. Trainer Marcel Rapp, der die Aufgabe nach dem Abstieg von Alexander Blessin übernommen hat, übte sich nach der Niederlage gegen Kaiserslautern zumindest in Gelassenheit. "So ist Fußball manchmal", sagte der 47-Jährige bei Sky über die zwei durchaus unglücklichen Gegentore, die sein Team gegen die Pfälzer kassiert hatte. Mit seinem Team sei er auf dem richtigen Weg. Nun gehe es darum, weiterzumachen. "Dann werden die Ergebnisse kommen." Auch Kapitän David Nemeth wollte nach der Partie nicht den Teufel an die Wand malen. Der Österreicher zeigte sich mit der Leistung des Teams grundsätzlich zufrieden: "Wir spielen nicht wie eine Mannschaft, die nach drei Spielen zwei Punkte hat." Er ergänzte: "Wenn alles unserem Glück zugute läuft, dann könnten wir jetzt mit neun Punkten dastehen. Wir sind alle positiv." Tatsächlich war St. Pauli gegen Kaiserslautern die bessere Mannschaft gewesen, sowohl was die Anzahl als auch die Qualität der Chancen anging. Die Rapp-Elf hatte deutlich mehr Spielanteile als die Gäste, brachte sich aber durch eigenes Unvermögen und individuelle Fehler selbst um den Lohn der Arbeit. Beim vorherigen Ligaspiel in Kiel (2:2) führte St. Pauli sogar noch bis kurz vor Abpfiff. Wohl auch deshalb sagte Geschäftsleiter Andreas Bornemann am Sky-Mikrofon nach der Pleite gegen Kaiserslautern, die aktuelle Situation fühle "sich nicht gut an". Dennoch plädierte er dafür, Ergebnisse und Leistung voneinander zu trennen. Aus nachvollziehbarem Grund: Denn dass im Spiel der "Kiezkicker" zu Saisonbeginn noch nicht alle Automatismen greifen, ist auch die Konsequenz eines massiven Kaderumbruchs. Bornemann: "Keiner wird uns Punkte überweisen" Nach dem Abstieg verließen zahlreiche Leistungsträger und Führungsspieler St. Pauli. Stammtorhüter Nikola Vasilj wechselte nach Saudi-Arabien, Innenverteidiger Hauke Wahl zum VfL Wolfsburg . Auch Danel Sinani (Sampdoria Genua), Karol Mets (VfL Bochum) und Manolis Saliakas (Olympiakos) kehrten dem Klub den Rücken – genauso wie Jackson Irvine. Der langjährige Kapitän verabschiedete sich kurz vor Saisonstart nach Japan zu Cerezo Osaka. Das entstandene Vakuum füllte Andreas Bornemann mit sieben externen Neuzugängen, darunter der erfahrene Ex-Fürther Branimir Hrgota. Im Verbund mit den nach dem Abstieg verbliebenen Profis ruht die Hoffnung auf die Wende nun auf den Schultern des Schweden, der in seiner Zeit bei den Franken in 242 Pflichtspielen 70 Tore erzielen und 41 weitere Treffer vorlegen konnte. Im Trikot von St. Pauli gelang Hrgota in vier Partien bisher aber noch kein Treffer. Lediglich eine Vorlage konnte der 33-Jährige verbuchen, ausgerechnet am ersten Spieltag beim 1:1-Remis gegen Fürth. Am Freitagabend beim Gastspiel in Bielefeld (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei t-online) soll der Knoten beim Ex-Nationalspieler nun platzen und gleichzeitig der erste Ligasieg eingefahren werden. Dass ein Erfolg für den FC St. Pauli in der 2. Bundesliga aber kein Selbstläufer ist, bläute Bornemann seiner Mannschaft bereits vergangene Woche ein. "Keiner wird uns Punkte überweisen, keiner wird freiwillig zur Seite treten, damit wir ein Tor schießen können", stellte er klar. "Das kriegen wir nur gemeinsam mit einer guten inhaltlichen Arbeit hin." Nur so dürfte sich letzten Endes auch eine Neuauflage der Saison 2002/2003 verhindern lassen.

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