Machtwechsel im Nordosten?: Was Sie zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern wissen müssen
Nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt blickt Deutschland auf Mecklenburg-Vorpommern. Die wichtigsten Infos zu Bundesland, Spitzenkandidaten und Wahlkreisen.
Große Aufmerksamkeit für das Bundesland an der Ostsee: In Mecklenburg-Vorpommern findet im September 2026 die Landtagswahl statt. Es könnte eine richtungsweisende Wahl werden – die Umfragewerte der Alternative für Deutschland (AfD) mit ihrem Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm liegen seit Monaten auf einem historisch hohen Niveau. Die Ergebnisse dürften wie Sachsen-Anhalt auch den Kurs der Bundespolitik beeinflussen. Bleibt Manuela Schwesig Ministerpräsidentin? Oder können andere Parteien ein Regierungsbündnis schmieden? Die aktuellen Entwicklungen lesen Sie außerdem in unserem Live-Blog.
Mecklenburg-Vorpommern im Überblick: Bevölkerung, Politik, Wirtschaft
Mit rund 1,6 Millionen Einwohnern zählt das an der Ostsee gelegene und unter anderem an Brandenburg und Schleswig-Holstein grenzende Mecklenburg-Vorpommern zu den bevölkerungsärmsten Bundesländern Deutschlands. Landeshauptstadt ist Schwerin mit rund 95.000 Einwohnern, die größte Stadt ist jedoch die Hansestadt Rostock mit etwa 210.000 Einwohnern. Aktuell wird Mecklenburg-Vorpommern von einem Bündnis aus SPD und Die Linke regiert, angeführt von der gebürtigen Frankfurterin (Oder) Manuela Schwesig.
Die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern ist geprägt vom Tourismus entlang der Ostseeküste sowie auf den Inseln Rügen und Usedom, von der Hafenwirtschaft in Rostock und Wismar, dem Schiffbau sowie der Landwirtschaft und erneuerbaren Energien, insbesondere der Windkraft. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei rund 7,3 Prozent.
Wer, was, wann: So läuft der Wahlsonntag ab
Voraussichtlich im September 2026 sind rund 1,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger in Mecklenburg-Vorpommern aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Wahllokale sind von 8 Uhr bis 18 Uhr geöffnet, es gibt aber auch die Möglichkeit, per Briefwahl abzustimmen.
Unterteilt ist das Bundesland in 36 Wahlkreise. Parteien, die im Landtag mit seinen mindestens 79 Abgeordneten vertreten sein wollen, müssen die Fünf-Prozent-Hürde überspringen. Wer volljährig und deutscher Staatsbürger ist und seinen Hauptwohnsitz seit mindestens drei Monaten in dem Bundesland hat, darf an der Wahl teilnehmen. Der Landtag wird alle fünf Jahre neu gewählt.
Sie wollen ins Parlament: die Spitzenkandidaten und ihre Parteien
Der Kandidat, der aktuell die meiste Aufmerksamkeit bekommt, ist der AfD-Politiker Leif-Erik Holm. Der langjährige Landesvorsitzende der AfD Mecklenburg-Vorpommern stammt aus Rostock, arbeitete zunächst als Journalist und Radiomoderator und saß bereits im Bundestag. Aktuellen Umfragen zufolge könnte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern auf deutlich über 30 Prozent kommen.
Seine schärfste Konkurrentin ist die amtierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Die SPD-Politikerin ist seit 2017 im Amt und war zuvor Bundesfamilienministerin. Geboren wurde sie in Frankfurt (Oder), aufgewachsen ist sie in Brandenburg, bevor sie beruflich nach Mecklenburg-Vorpommern kam. In aktuellen Umfragen liegt die SPD bei über 30 Prozent und jüngst nur noch knapp hinter der AfD. Es könnte zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen kommen.
Für die CDU tritt Franz-Robert Liskow an. Der 39-Jährige ist Landesvorsitzender der CDU Mecklenburg-Vorpommern und stammt aus dem Landkreis Vorpommern-Rügen. Liskow gilt als Vertreter einer jüngeren Politikergeneration innerhalb seiner Partei. In Umfragen ist die CDU bei einem historischen Tief angekommen und bewegt sich im Bereich um die sieben Prozent. Es könnte sogar darum gehen, ob die CDU überhaupt den Einzug in den Landtag schafft.
Für Die Linke geht die erfahrene Landespolitikerin Simone Oldenburg ins Rennen. Die Partei, die traditionell in Mecklenburg-Vorpommern stärker verankert ist als in vielen anderen ostdeutschen Bundesländern, bewegt sich in aktuellen Umfragen bei Werten um die 10 Prozent.
Bei den Grünen tritt die Landesvorsitzende Claudia Müller als Spitzenkandidatin an. Die Partei ist im aktuellen Landtag nur mit wenigen Sitzen vertreten und muss angesichts von Umfragewerten, die teilweise unter der Fünf-Prozent-Marke liegen, um den Wiedereinzug bangen.
Die FDP tritt ebenfalls wieder zur Wahl an, dürfte jedoch angesichts von Umfragewerten zwischen zwei und vier Prozent erneut Schwierigkeiten haben, die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden und in den Landtag einzuziehen.
Für einen noch detaillierteren Blick schauen Sie sich die Fotostrecke der Spitzenkandidaten an.
Für das BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) tritt ein Landesverband an, der erst seit der Gründung der Partei im Jahr 2024 aufgebaut wurde. Bei der Landtagswahl 2021 gab es das BSW noch nicht, weshalb es für die Partei die erste Antritt bei einer Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern überhaupt ist. Umfragen sehen das BSW bei Werten um vier Prozent. Auch hier wird die Regelung der Fünf-Prozent-Hürde spannend.