Nur neun der vierzig Aktien im Deutschen Aktienindex haben 2026 ein Rekordhoch erreicht. Trotzdem sind die Aussichten für das Jahresende und Ihr Portfolio vielversprechend. Gefühlt ist die Stimmung an den Märkten deutlich schlechter, als es die großen Indizes vermuten lassen. EuroStoxx 50 und Dax haben erst im August ihre Hochs erreicht und seitdem leicht korrigiert, beim Nasdaq 100 datiert die Bestmarke aus dem Juni. Für sich genommen ist das ein ganz normaler Rücksetzer, wie er häufig im September zu sehen ist. Ein Blick unter die Oberfläche zeigt jedoch, dass die Korrektur bei vielen Einzelwerten bereits deutlich weiter fortgeschritten ist. Das muss allerdings nicht zwangsläufig ein schlechtes Zeichen sein. Die trügerische Stärke des Dax Auch beim Blick auf den Dax kann man derzeit leicht einer optischen Täuschung erliegen. Der Leitindex hat zuletzt um rund fünf Prozent korrigiert und damit eine für den Spätsommer durchaus normale Konsolidierung gezeigt. Die 40 Einzelwerte erzählen allerdings eine deutlich schwächere Geschichte. "Im Durchschnitt liegen die Aktien rund 18 Prozent unter ihren jeweiligen Jahreshochs", erklären die Experten von CMC Markets. Für die mittelfristige Einschätzung ist jedoch ein anderer Wert entscheidender: Immerhin die Hälfte der Dax-Aktien behauptet ihre sogenannte 200-Tage-Linie. Bei einem großen Teil des Marktes ist der langfristige Aufwärtstrend damit weiterhin intakt. Genau diese Kombination ist für die aktuelle Einordnung wichtig. Kurzfristig hat die Korrektur bereits viele Aktien erfasst, während die langfristige Trendstruktur noch vergleichsweise stabil ist. Der Markt hat also bereits viel Schwäche verarbeitet, ohne dass der übergeordnete Aufwärtstrend flächendeckend beschädigt wurde. Wenn Schwäche zur Chance wird Ein Blick in die Vergangenheit liefert dafür interessante Parallelen. Ähnliche Niveaus bei der Marktbreite oberhalb der 200-Tage-Linie wurden bereits im August 2024, im Frühjahr 2025 während des Zoll-Crashs und nach den geopolitischen Verwerfungen zwischen den USA und dem Iran im Frühjahr dieses Jahres erreicht. In allen drei Phasen erwies sich die Schwäche beim Dax im Nachhinein als attraktive Einstiegsgelegenheit. Das bedeutet nicht, dass sich die Geschichte wiederholt oder der Tiefpunkt heute bereits feststeht. Es zeigt aber, dass eine deutlich reduzierte Marktbreite innerhalb eines intakten langfristigen Trends nicht automatisch ein Verkaufssignal ist. Im Gegenteil: Wenn viele Aktien kurzfristig korrigieren, während ihre langfristigen Trends überwiegend intakt bleiben, kann daraus ein interessantes Chance-Risiko-Verhältnis für antizyklische Käufe entstehen. Auch der Blick auf die vergangenen Rekordstände sollte deshalb nicht nur pessimistisch ausfallen. "Nur 9 der 40 Dax-Mitglieder haben 2026 bislang ein neues Rekordhoch erreicht. Bei einigen Konzernen liegt die historische Bestmarke sogar weit zurück. Mercedes-Benz notiert beispielsweise noch immer unter dem Rekordhoch aus dem Jahr 1998", so Lars Reichel von der Börse München . Der Dax wird damit keineswegs von einer breit angelegten Hausse getragen. Genau darin liegt aber auch Potenzial. Sollte sich die zuletzt schwache Gruppe stabilisieren und wieder in den Aufwärtstrend zurückfinden, würde sich die Marktbreite verbessern und der Dax auf eine breitere Basis stellen. Eine solche Rotation ist an den US-Börsen seit Monaten zu beobachten: Einzelne Branchen korrigieren, während andere die Führung übernehmen. Das Kapital bleibt aber im Markt und wandert dorthin, wo sich neue Chancen eröffnen. Für einen übergeordneten Aufwärtstrend ist eine solche Rotation sogar gesund. Schwergewichte halten den Dax stabil Dass der Dax deutlich stabiler wirkt als viele seiner Einzelwerte, liegt vor allem an seiner Zusammensetzung. Schwergewichtete Aktien haben einen größeren Einfluss auf den Index als kleinere Mitglieder. "Allianz beispielsweise kommt auf rund neun Prozent Indexgewicht und liegt nur knapp unter ihrem Hoch. Deutsche Bank , BASF und Deutsche Börse gehören ebenfalls zu den stabilisierenden Werten mit größerem Einfluss", so CMC Markets. Wie schnell sich die Führungsrolle innerhalb des Index verschieben kann, zeigen Siemens und Siemens Energy . "Beide Werte gehörten im Frühjahr zu den stärkeren Titeln, haben zuletzt aber korrigiert. Im Gegenzug legte SAP im Sommer um rund 50 Prozent zu und wurde damit zu einem wesentlichen Treiber für den Dax", so Experte Reichel. Diese Wechsel sind für die Gesamtentwicklung des Dax ein wichtiger Faktor. Entscheidend ist, ob sich immer wieder neue Aktien finden, die diese Rolle übernehmen. Unter dem Strich ist die aktuelle Marktbreite weniger ein Grund zur Sorge als ein Hinweis darauf, wie weit die Korrektur inzwischen fortgeschritten ist. Viele Aktien sind kurzfristig bereits deutlich zurückgekommen, gleichzeitig behauptet die Hälfte der Dax-Mitglieder weiterhin ihre 200-Tage-Linie. Das spricht gegen eine flächendeckende Trendwende nach unten und eröffnet Spielraum für eine Erholung der Marktbreite. Selbst wenn der September seinem Ruf als saisonal schwieriger Börsenmonat noch gerecht werden sollte, steht der Markt damit auf einem stabileren Fundament, als es der kurzfristige Blick vermuten lässt. Seit 1988 verlor der Dax im September durchschnittlich rund sechs Prozent, in etwa 40 Prozent der Jahre fiel der Monat negativ aus. Hielt der Index – wie in diesem Jahr – Ende August jedoch seine 200-Tage-Linie, fiel der durchschnittliche September-Rückgang mit gut drei Prozent nur halb so stark aus. Ein intakter mittelfristiger Trend zum Monatsbeginn reduziert damit statistisch das Korrekturrisiko bis Oktober. Oder, etwas weniger wissenschaftlich: The trend is your friend.