„Pony Show“: Juli Zeh: Frauen wird Freiheitsliebe weniger zugestanden
Freiheitsliebende Frauen - noch immer ein Tabu, sagt Juli Zeh. Die Schriftstellerin über Ansprüche an Frauen, die Lebensmitte und den Drang nach Freiheit.
Schriftstellerin Juli Zeh (52, „Unter Leuten“, „Pony Show“) zufolge gelten für Frauen noch immer andere Regeln als für Männer. „Frauen wird die Freiheitsliebe (...) viel weniger zugestanden als Männern. Erst recht in der Lebensmitte“, sagte Zeh in einem Interview des „Stern“. „Midlife-Crisis galt lange als ein männliches Phänomen. Beim Mann ist Älterwerden ein Statusproblem, das er mit Autos und jungen Frauen zu lösen versucht. Bei der Frau dagegen soll es ein hormonelles Problem sein: die Wechseljahre!“
Zeh zufolge tragen wir alle „eine anarchische Freiheitsliebe in uns“, die uns manchmal Dinge tun lässt, die von außen sehr risikoreich erscheinen. „Wir haben doch nur ein Leben. Wollen wir im Rückblick sagen: Ich war immer brav und anständig? Oder blicke ich lieber zurück und sage: Ich habe tolle Höhen und Tiefen erlebt?“
In Zehs neuem Roman „Pony Show“ geht es auch darum, wie sich das Älterwerden auf das Selbstbild und den Wert am Liebesmarkt auswirke. „Gerade höchstpersönliche Beziehungen gehören zu großen Teilen der gesellschaftlichen Konvention, und die ist kapitalistisch geprägt. Deshalb wollen sich alle ständig selbst optimieren“, sagt Zeh. Es gebe klare Rankings, was Aussehen, Bildung und Vermögen angehe. Die Figur Betty in ihrem Buch breche mit diesen Regeln.
Mit Betty teile sie eine Menge, sagt Zeh - allerdings nicht die Midlife-Krise. Das Wort Krise sei sehr mit Verzweiflung und Angst verbunden, beides habe Zeh nicht. Sie spricht eher von einer Zeit des Wandels, einer zweiten Pubertät. „Ich habe seit ein paar Jahren unfassbar viel Power, viel mehr als in den zehn Jahren davor.“ Die größte Umwälzung bestehe für sie im Rückgewinn von Freiheit.