AfD und BSW kooperieren in Sachsen-Anhalt immer enger. Nun will die AfD dem kleineren Partner einen Ausschussvorsitz im Landtag überlassen – und zwar den für Bildung. AfD und BSW gehen in ihrer Kooperation in Sachsen-Anhalt den nächsten Schritt. Nach Informationen von t-online sicherte sich die AfD in einer Sitzung des Ältestenrats am Dienstagabend die Vorsitze in sechs Ausschüssen im Landtag. Darunter befindet sich der Bildungsausschuss. Diesen Vorsitz will die AfD an das BSW abtreten, dem eigentlich kein Ausschussvorsitz zusteht. Entsprechende Informationen von t-online bestätigte Tobias Rausch, der seit Dienstag Landtagspräsident in Sachsen-Anhalt ist und zudem Parlamentarischer Geschäftsführer und Generalsekretär der AfD. Noch müsse die AfD-Fraktion zustimmen, so Rausch. Tue sie dies in ihrer Sitzung am 14. Oktober, gehe der Vorsitz im Bildungsausschuss von der AfD an das BSW. AfD und BSW befinden sich in Sachsen-Anhalt derzeit in Sondierungsgesprächen. Die Parteien loten aus, bei welchen Themen sie kooperieren können, um Gesetzesvorhaben gemeinsam umzusetzen. Bildung ist eines der Themen, die für das BSW zentral sind. Auch die AfD legte darauf in ihrem Wahlprogramm einen starken Fokus. Es ist einer der Bereiche, in denen Landesregierungen am meisten Gestaltungsspielraum haben. AfD sichert sich sechs Vorsitzposten Die Ausschussvorsitze werden nach einem System vergeben, das sich nach der Stärke der Fraktionen richtet. Die AfD konnte am Dienstagabend deswegen mit Abstand auf die meisten Vorsitze zugreifen. Sie sicherte sich nach Informationen von t-online die Vorsitze im Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien sowie Kultur; im Ausschuss für Bildung; im Ausschuss für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung; im Ausschuss für Inneres und Sport; im Ausschuss für Infrastruktur und Digitales sowie im Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten. Die CDU griff auf den Vorsitz für zwei Ausschüsse zu: erstens den Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus , zweitens für Finanzen. An Linke, Grüne und SPD ging jeweils ein Ausschussvorsitz. Die Linke sicherte sich den Ausschuss Recht, Verfassung und Verbraucherschutz, die Grünen den Ausschuss für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt und die SPD den Ausschuss für Petitionen. Landtagspräsident Rausch bestätigte t-online auch die Verteilung der Vorsitzendenposten. Der Zuschnitt der Ausschüsse und damit ihre thematische Ausrichtung können sich allerdings noch verändern. Sie richten sich in der Regel nach den Ministerien. Die AfD hat angekündigt, dass sie Ministerien streichen und zusammenlegen will, sollte sie regieren. Kooperation ist auch in AfD und BSW umstritten Voraussetzung dafür ist, dass die Bildung einer AfD-Regierung gelingt und AfD-Politiker Ulrich Siegmund im Dezember zum Ministerpräsidenten gewählt wird. Das BSW hat angekündigt, sich bei dieser Wahl enthalten zu wollen. Die AfD ist derzeit aber zuversichtlich, dass sie in der geheimen Wahl – wie schon bei der Wahl von Rausch zum Landtagspräsidenten – Unterstützung von anderen Abgeordneten und so die drei zusätzlichen Stimmen erhalten wird, die ihr für eine Mehrheit fehlen. Für die Zeit danach ist das BSW für die AfD hochrelevant. Die Partei ist in Sachsen-Anhalt auf Kooperationspartner angewiesen, weil sie bei der Landtagswahl zwar ein Rekordergebnis von 43,8 Prozent erzielte, aber die nötige Mehrheit für eine Alleinregierung verfehlte. Das BSW schaffte den Sprung in den Landtag mit 5,3 Prozent Zustimmung knapp. Sowohl in der AfD als auch im BSW ist die neue Kooperation umstritten. In Teilen der AfD wird befürchtet, dass sich eine AfD-Regierung von dem deutlich kleineren BSW zu sehr abhängig machen und dominieren lassen könnte. Im BSW, in dem zahlreiche Funktionäre aus der Linken stammen, weckt die Zusammenarbeit mit der AfD ohnehin teils scharfen Widerspruch. Nachdem das BSW in Sachsen-Anhalt Rausch am Dienstag zum Landtagspräsidenten gewählt hatte, folgten in anderen BSW-Landesverbänden mehrere Parteiaustritte.