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Eiffelturm gesperrt – Hunderttausende auf Frankreichs Straßen

Gewerkschaften, Schüler und Studierende legen Frankreich lahm. Neben Zügen und Schulen blieb auch ein Wahrzeichen geschlossen. Am Donnerstag sind in Frankreich laut Innenministerium 575.000 Menschen auf die Straße gegangen, um für höhere Löhne und bessere Bedingungen an Schulen und Hochschulen zu demonstrieren. Die Gewerkschaft CGT sprach von 1,6 Millionen Teilnehmern. In Paris blieb der Eiffelturm wegen der Proteste den ganzen Tag geschlossen. Bei Ausschreitungen am Rande der Kundgebungen wurden bis zum Abend landesweit 448 Menschen festgenommen. Premierminister Sébastien Lecornu kündigte für Montag eine "Sozialkonferenz" an. Im öffentlichen Dienst legten etwa zehn Prozent der Beschäftigten die Arbeit nieder, zahlreiche Regionalzüge fielen aus. Zu dem Protesttag hatten mehrere Gewerkschaften bereits Anfang Oktober aufgerufen. Schüler- und Studierendenverbände sowie die Gelbwestenbewegung schlossen sich an. Massenproteste in Frankreich: Zusammenstöße mit Polizei Tagesanbruch: Sie haben es immer noch nicht begriffen Buhrufe für Politiker In Paris nahmen mehrere Präsidentschaftskandidaten an der Demonstration teil, darunter der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon und die Grüne Marine Tondelier. Der Sozialdemokrat Raphaël Glucksmann wurde ausgebuht und verließ die Kundgebung. Am Morgen hatten Schülerinnen und Schüler erneut Blockaden aus Mülltonnen und Absperrgittern vor zahlreichen Schulen errichtet. Die Polizei setzte in vielen Fällen Tränengas ein. In Toulouse drangen Unbekannte mit Gesichtsmasken in eine Schule ein und legten dort einen Brand, der schnell gelöscht werden konnte. Nach Gewerkschaftsangaben waren landesweit knapp tausend der insgesamt 3.700 Oberschulen von Blockaden betroffen. Die Regierung meldete 81 blockierte Schulen und 16 Prozent Streikbeteiligung bei den Lehrkräften. Auch jede dritte Hochschule war von Protestaktionen betroffen. Frankreichs Oberschüler protestieren seit Mitte September gegen Lehrermangel, zu lange Schultage, Schulgebäude in schlechtem Zustand und die undurchsichtige Vergabe von Studienplätzen. Die Regierung versprach ein neues Bewerbungsverfahren und mehr Lehrerstellen. Die Schülerverbände bezeichneten das als unzureichend. Schüler protestieren mit Gewerkschaftlern Die 15-jährige Schülerin Luce aus Straßburg sagte: "Wir protestieren weiter, weil man uns immer noch nicht zuhört." Mit Blick auf die im internationalen Vergleich langen Schultage in Frankreich fügte sie hinzu: "In anderen Ländern sind die Schultage viel kürzer, und das funktioniert auch." Die 17-jährige Luna beklagte, dass in ihrer Schule die Heizung nicht funktioniere. Die Gewerkschaften richten sich hauptsächlich gegen die Sparpläne der Regierung und fordern höhere Löhne. CFDT-Gewerkschaftschefin Marylise Léon sagte dem Sender BFM: "Wir wollen von unserer Arbeit vernünftig leben können." Fotograf angegriffen, Auto angezündet In mehreren Städten kam es zu Ausschreitungen. In Lyon wurde mindestens ein Fahrzeug in Brand gesetzt, die Polizei setzte Tränengas ein. Ein AFP-Fotograf mit erkennbarer Pressekennzeichnung erhielt bei einem Polizeieinsatz fünf Schlagstockschläge. Auch in Rennes gab es Zusammenstöße. Das Innenministerium registrierte landesweit 86 Einsätze wegen Bränden. 53 Sicherheitskräfte wurden verletzt. An vielen Orten herrschte dennoch eine ausgelassene Stimmung unter den Demonstrierenden. In Lyon zeigten sich Teilnehmer als Superheld auf einem Pony oder als tanzendes Schwein verkleidet. Auf der Pariser Place de la République spielten Dutzende Musiker des Orchestre du Nouveau Monde Revolutionslieder und brachten die Menge zum Mitsingen. Innenminister will an Strategie festhalten Innenminister Laurent Nuñez hatte kürzlich eingeräumt, dass die Sicherheitskräfte am 17. Oktober, dem Tag der bislang folgenreichsten Ausschreitungen, überfordert gewesen seien. Es habe eine "bislang nicht dagewesene Mischung" verschiedener Gruppen gegeben, darunter Gewerkschaften, Gelbwesten , linksradikale Randalierer, Kriminelle und junge Plünderer. Eine Änderung der Strategie oder eine reduzierte Bewaffnung der Sicherheitskräfte lehnte der Minister dennoch ab: "Die Sicherheitskräfte müssen sich verteidigen können, wenn sie angegriffen werden." Allein am 17. Oktober seien 22.000 Tränengasgranaten eingesetzt worden. Dabei waren zahlreiche Menschen schwer verletzt worden. Die Polizeiinspektion ermittelt derzeit in 83 Fällen wegen mutmaßlich illegaler Polizeigewalt. Die Protestbewegung will ihre Aktionen fortsetzen. Die Studentenorganisation Unef rief für den 7. November zu neuen Kundgebungen auf. Auch die Gelbwesten kündigten weitere Aktionen an. Die seit Wochen andauernden Proteste prägen den Präsidentschaftswahlkampf, in dem die Rechtspopulistin Marine Le Pen derzeit die besten Aussichten hat. Amtsinhaber Emmanuel Macron kommt laut Umfragen nur noch auf 13 Prozent Zustimmung und unterschreitet damit den bisherigen Unbeliebtheitsrekord seines Amtsvorgängers François Hollande.

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