Zum 10. Todestag von Wolfgang Hilbig am 2. Juni: Auszug Von Wolfgang Hilbig (Erstsendung) Der Protagonist C. in Hilbigs Roman "Das Provisorium" ist ein ehemaliger Industriearbeiter, der als freier Schriftsteller und unwilliger, halbherziger DDR-Bürger Mitte der 1980-er Jahre durch ein Visum ebenso unwillig in den Westen gerät. Das Visum erlaubt es ihm, ein Jahr lang hin- und herzureisen. In der Bundesrepublik verliebt er sich in eine westdeutsche Autorin, doch die gegensätzlichen Erfahrungen und Prägungen der beiden Partner zermürben ihr Verhältnis. Die scheinbare Freiheit, von der so viele Ostdeutsche träumen, gerät C. zum Fluch. Obwohl er sich im Westen unwohl und fremd fühlt, er immer mehr in Alkoholexzessen und in Schreibhemmungen versinkt, lässt er den Termin für seine Rückreise verstreichen: Er geht sich selbst verloren, gerät in eine unselige Kreisbewegung zwischen den Staaten, den Ideologien, den Frauen, den Lebensweisen. C. ist wie alle autobiographisch grundierten Helden Hilbigs ein zäher Einzelgäng