Schönbrunn: 50 Cent pro Ackerfläche machen 162.000 Euro
Schönbrunn. (MD) Geprüft hat das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises die Eröffnungsbilanz der Gemeinde Schönbrunn, die zum Stichtag 1. Januar 2016 erstellt worden war. Das umfangreiche Berichtswerk wurde wegen der Umstellung der kommunalen Haushaltsführung von der Kameralistik auf das Neue kommunale Haushalts- und Rechnungswesen (NKHR), die Doppik, notwendig. Wie Bürgermeister Jan Frey erläuterte, sei Schönbrunn kreisweit die erste Kommune, die von der Rechtsaufsicht grünes Licht für die von allen 54 Gemeinden zu erstellenden Eröffnungsbilanzen erfahren habe.
In der Dokumentation werden das kommunale Vermögen genauso wie die Schulden erfasst und bewertet. Das Vermögen muss nach den Vorgaben zusätzlich in einer Übersicht aufgelistet werden, in der der Stand zu Beginn und am Ende des Haushaltsjahrs, die Zu- und Abgänge sowie die Zu- und Abschreibungen darzustellen sind.
So kommt das Werk einer "Erstinventur" bei der Gemeinde Schönbrunn gleich. Laut Kämmerer Karlheinz Wagner wurde auch die Vermögensbewertung bei den "kostenrechnenden Einrichtungen" Bauhof, Kindertagesstätten, Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung und Friedhofswesen neu aufgebaut. Die Bilanzwerte seien nach dem Grundsatz der Anschaffungs- und Herstellungskosten angesetzt, die um die Abschreibungen vermindert werden. Allerdings wurde auch von Vereinfachungsregeln Gebrauch gemacht.
Beispielsweise wurden bewegliche Vermögensstände des Sachvermögens bis zu einem Wert von netto tausend Euro nicht bilanziert. Bei der Wasserversorgung liegt diese Größe bei 410 Euro.
Umfangreich ist die Bewertung beim Sachvermögen, zu dem Grundstücke, Wald und Gebäude gehören. So sind etwa gemeindliches Ackerland und Grünflächen mit einem Wert von fünfzig Cent je Quadratmeter bewertet, was in Summe immerhin gut 162.000 Euro ausmacht. Beim Wald geht man von einem Grund- und Bodenwert von insgesamt rund 821.000 Euro plus weiteren knapp 2,3 Millionen Euro für den Aufwuchs aus.
Die Kindergärten der Gemeinde in Moosbrunn und Haag sind mit zusammen gut 1,2 Millionen Euro veranschlagt, die Grundschule gar mit fast 1,9 Millionen Euro.
Der Punkt "Gebäude, Aufbauten bei Kultur- und Gartenanlagen" ist 545.000 Euro schwer und umfasst u.a. den Brunnen in Schönbrunn, die alten Schulhäuser in Allemühl und Moosbrunn, das alte Rathaus in Haag, das Dorfgemeinschaftshaus in Schwanheim, das Backhaus mit ehemaligem Feuerwehrgebäude in Haag sowie das Sporthäuschen in Allemühl. Rathaus Schönbrunn, Bauhof und neues Feuerwehrgebäude stehen mit gut 2,8 Millionen Euro in der Bilanz.
Als bilanzierungsfähige "immaterielle Vermögensgegenstände" sind die Beteiligung am einstmals vorgesehenen Gewerbegebiet GIP, eine Stammeinlage beim Badischen Gemeindeversicherungsverband, Geschäftsanteile bei der Volksbank Neckartal und weitere Beteiligungen mit insgesamt 70.500 Euro eingestellt. Anlagen zur Abwasserableitung stehen mit knapp 2,8 Millionen Euro in dem Papier, Straßen, Wege und Plätze mit gut drei Millionen Euro. Außerdem sind Verbindlichkeiten von gut 2,4 Millionen Euro erwähnt.
Insgesamt ergab sich so ein Gemeindevermögen von gut 21,7 Millionen Euro zum Ende des Geschäftsjahrs 2015. Ein Jahr später lag man wegen dem Bau des neuen Feuerwehrhauses bei knapp 23 Millionen Euro.
Die Prüfer regten an einigen Stellen der Bilanz kleinere Korrekturen an und kamen zur Schlussbemerkung, dass diese aber ansonsten "in Form und Inhalt den gemeindehaushaltsrechtlichen Bestimmungen entspricht und unter Berücksichtigung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung richtig entwickelt wurde".
Sie vermittele ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögenslage der Gemeinde Schönbrunn, so das abschließende Urteil von Kommunalrechtsamtsleiter Frank Grünewald.

